
Einführung
Vorbemerkungen
Was geht den heutigen Schüler, den Schüler auf der Schwelle
ins dritte Jahrtausend, die Gestalt eines „rohen, wohlmeinenden Selbsthelfers in
anarchischer Zeit“ (Goethe, Dichtung und Wahrheit, 10. Buch) an?
In der Zeitenwende im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts
sieht Goethe das Ende des selbstständigen, natürlich-großen, kraftvollen
Individuums, das auf sich gestellt verantwortungsvoll und verantwortlich
handelt. Es wird abgelöst von einem überindividuellen, das Individuum nicht
weiter berücksichtigenden „System“, das den Einzelnen in Abhängigkeit hält, die
alten Rechte außer Kraft setzt, Freiheitsäußerungen beschränkt, wenn nicht ganz
aufhebt. Götz widersetzt sich all dem, wenn er das Faustrecht sowohl als
Äußerung seiner Freiheit wie auch als Gewährleistung von Recht und Gerechtigkeit
betrachtet und in die Tat umsetzt. So wird aus seinem Kampf der Kampf des
Einzelnen, der seine Freiheit und seine angestammten Rechte gegen ein sich
übergeordnet gebendes System – im konkreten Fall feudal bzw. klerikal
strukturiert – verteidigt. In diesem Kampf unterliegt der Einzelne am Ende, da
er in seiner Redlichkeit dem unredlichen Tun seiner Gegenspieler nicht gewachsen
ist. Götz von Berlichingen, der Lektüreklassiker, könnte so gesehen
vielleicht doch zu mehr werden als nur „schulischem Stoff“, wenn man, ganz im
Sinne des jungen Goethe, des Stürmers und Drängers, das Individuum sieht, das
sich in seinem Handlungsspielraum ebenso wenig einengen lässt wie in seinem
ethischen Anspruch, dem es aus eigener Sittlichkeit heraus, und nicht aufgrund
äußerer Setzungen gerecht wird.
In diesem Sinne könnte auch dem heutigen Menschen das
goethesche Konzept zumindest einige Denkanstöße geben, denn was sich für Goethe
in Götz rudimentär zeigte, ist heute allgemeine Wirklichkeit und nicht mehr
hinterfragte Norm geworden. Der Einzelne in seinem Bemühen, mag das auch noch
so lauter sein, erscheint antiquiert und überlebt in dem Augenblick, wo er mit
dem allmächtigen System in Kollision gerät. Goethe greift auf den historischen
Zeitpunkt zurück, wo er erstmals die Unterordnung des Einzelnen unter ein
„System“ auszumachen glaubt, auf das ausgehende Mittelalter. Und doch spiegelt
das Stück weniger im Sinne eines Historiendramas die Situation des
Spätmittelalters als vielmehr das, was Goethe in seiner Zeit wahrnimmt. Er
sieht, wie andere Stürmer und Dränger, das handelnde Individuum gefährdet,
sieht die Helfer des Systems, die subalternen Diener übergeordneter Macht auf
dem Vormarsch.
Wolfgang Kayser charakterisiert Goethes Einstellung knapp:
„An der Figur Götzens hat sich der Dramatiker begeistert: Ich dramatisiere
die Geschichte eines der edelsten Deutschen, rette das Andenken eines braven
Mannes …“ Bruder Martin „nennt ihn so,
wie wir ihn im ganzen Drama sehen sollen: einen großen Mann.“ (Goethes
Werke Bd.IV; Christian Wegener Verlag Hamburg 6.Aufl. 1965 S. 484)
Für Goethe war die Frage nach dem Gewaltmonopol des Staates
noch diskutabel, für uns Heutige ist diese Frage beantwortet, wenngleich sie
immer wieder dann aufbricht, wenn sich die Staatsgewalt zu viel „herausnimmt“.
Das Konzept, das hinter der vorliegenden Sequenz steht,
stellt die hier angeklungene Frage in den Mittelpunkt. Damit wird zwangsläufig
einer selektiven Interpretation das Wort geredet, die möglicherweise wichtige
Interpretationsaspekte (so z. B. die
Figur der Adelheid) weitgehend ausblendet. Das wird zugunsten der Konzentration
auf den didaktische profilierten Schwerpunkt in Kauf genommen.
Inhaltsangabe
Götz von Berlichingen, ein reichsunmittelbarer Ritter des
beginnenden 16. Jahrhunderts, lebt noch ganz in den Rechtsvorstellungen des
Mittelalters, nach denen es Sache des Einzelnen ist, für Recht und Gerechtigkeit
zu sorgen. Er sieht sich in seiner Freiheit wie in seinen Rechten durch die
Fürsten und Bischöfe bedroht und setzt sich gegen diese Bedrohung zur Wehr. Götz
ist dabei auch als Verbündeter von Schwächeren, die in Konflikt geraten mit den
Fürsten bzw. den freien Reichsstädten. Auch ihnen verschafft er ihr Recht, indem
er sich der Mittel bedient, die das mittelalterliche Recht vorsieht: Fehde und
ritterlicher Zweikampf. Ist ein Rechtshändel geklärt, so einigt man sich und
sichert sich gegenseitig friedliches Verhalten zu. So geschah es auch zwischen
Götz und dem Bamberger Bischof, welcher sich
dann aber nicht an die Abmachungen hält und
einem von Götz’ Reitern gefangen
nimmt. Götz erfährt von dieser Gefangennahme und fängt im Gegenzug Weislingen,
einen Ritter, der sich in den Dienst des Bamberger Bischofs gestellt hat und das
Leben eines freien Ritters gegen das Hofleben eingetauscht hat. Götz führt
Weislingen auf seine Burg und hält ihn dort als Geisel, allerdings in
ritterlicher Gefangenschaft, schließlich war Weislingen einmal sein
Jugendfreund. Weislingen verliebt sich in Götzens Schwester Maria und verlobt
sich mit ihr. Er will seine Angelegenheiten auf seinen Gütern wie am Bamberger
Hof regeln und reitet weg. Als er an den Bamberger Hof zurückkehrt, kann er den
Reizen Adelheids, die im Auftrag des Bischofs intrigiert, nicht widerstehen und
heiratet sie schließlich. Von nun an lässt er sich zum Werkzeug der Fürsten
machen und agiert leidenschaftlich gegen
Götz, vor allem bringt er den Kaiser so weit, die Reichsacht gegen Götz
und seine Anhänger zu verhängen. Zu diesen Anhängern gehört auch Franz von
Sickingen, der inzwischen um Marias Hand angehalten hat. Ein kaiserliches Heer
belagert die Burg von Götz, der den Belagerern zunächst widersteht, dann aber
verraten und gefangen genommen wird. Er soll nun gezwungen werden, vor den
Ratsherren in Heilbronn Urfehde zu schwören. Sickingen, der sich rechtzeitig
abgesetzt hatte, erscheint mit seinen Reitern, besetzt das Heilbronner Rathaus
und befreit Götz. Dieser begibt sich in ritterliche Haft auf seine Burg.
Inzwischen haben sich die Bauern der Gegend erhoben und ziehen mordend durch die
Gegend. Sie nötigen Götz, ihnen den Anführer zu machen. Götz bricht sein Wort,
das ihn zum Stillhalten verpflichtet, und wird Anführer im Glauben, er könne
so der Mordbrennerei ein Ende machen. Die Bauern aber verweigern ihm den
Gehorsam und werden vom kaiserlichen Heer geschlagen. Götz wird erneut gefangen
genommen. Adelheid, die inzwischen auf eine Verbindung mit dem zukünftigen
Kaiser hofft, vergiftet Weislingen, der vor seinem Tod noch das Todesurteil
gegen Götz vernichtet. Das Stück endet mit der Erkenntnis des sterbenden Götz,
er habe sich „selbst überlebt“. In der nun anbrechenden Zeit wird Betrug und
List herrschen, Nichtswürdige werden regieren.
Methodisch-didaktische Hinweise
Die Sequenz gliedert sich deutlich in drei Phasen. Die
erste Phase (1. bis 9. Unterrichtsstunde) stellt die Behandlung des Stückes in
den Mittelpunkt. Sie kann losgelöst von den beiden folgenden Phasen behandelt
werden. Die vorgeschlagene Klausur bezieht sich auf diesen Teil der
Gesamtsequenz. In der zweiten Phase (10. /11.
Std.) geht es um eine handlungsorientierte Aufarbeitung des Problems in Form
einer einlässigen Gerichtsverhandlung. Die dritte Phase (12. /13.
Std.) schließlich arbeitet produktionsorientiert und nutzt die Chance,
einerseits das eigene Tun berichtend darzustellen, andererseits sich mit
Textformen auseinander zu setzen, wie sie in den Medien genutzt werden.
Auf eine „literaturgeschichtliche Einordnung“ wird
weitgehend verzichtet. Die Schüler im 9. Schuljahr sollen mit Literatur bekannt
gemacht werden, sollen Interesse für das Stück, für die Figuren, ihre Motive und
Gefühle entwickeln. Sie sollen teilnehmen und Partei ergreifen. Das sollte nicht
durch literaturgeschichtliche Betrachtungen unterlaufen werden.
Die Sequenz setzt voraus, dass die Schüler schon zur ersten
Stunde den gesamten Texte gelesen haben. Sie sollten beim ersten Lesen die
Stellen markieren, die sie nicht verstehen. An diesem Punkt wird die Arbeit
einsetzen. Die erste Unterrichtsphase wird entsprechend viel Zeit dafür
aufwenden, den Text (das Geschehen …)
nachzuvollziehen und für die folgenden Schritte verfügbar zu machen. Diesem
Zweck dienen auch die zu den einzelnen Akten anzufertigenden Karten.
Lernziele
 |
Die Schüler lernen Grundbegriffe des Dramatischen
(Exposition, Spieler, Gegenspieler, Handlungsentwicklung; Konflikt;
Konfiguration …) kennen. Die so
erworbenen Kenntnisse nutzen sie als Verstehenshilfen. |
 |
Sie erfassen in der Figur des Götz den von Goethe
konzipierten „großen Mann“ und setzen sich mit dem von ihm repräsentierten
Konzept ethischen Handelns auseinander. |
 |
Sie lernen wichtige Aspekte einer Zeitenwende kennen
und setzen sich kritisch auseinander sowohl mit einer allzu positiven
nostalgischen Haltung wie mit einer fortschrittsgläubigen
Zukunftsorientierung. |
 |
Sie lernen, mit Verstehensschwierigkeiten umzugehen,
die ihre Ursachen haben können in einer „altertümlichen“ Sprache oder aber
auch in Wert- und Normvorstellungen, die nicht mehr geläufig sind. |
 |
Anhand des Fremden lernen die Schüler am konkreten
Beispiel (der Einzelne setzt sein Recht durch …)
die eigene Wirklichkeit zu befragen und als hergestellte und veränderbare
Wirklichkeit zu betrachten. |
Weiterführende Literatur
[1] Boerner, Peter:
Johann Wolfgang von Goethe mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 29. Aufl.
Reinbek 1995
[2] Cassirer, Ernst:
Goethe und die geschichtliche Welt. Berlin 1932
[3] Conrady, Karl
Otto: Goethe. Leben und Werk. 2 Bde. Königstein 1982 u. 1985
[4] Emrich, Wilhelm:
Goethes Tragödie des Genius. Von ›Götz‹ bis zur ›Natürlichen Tochter‹. In:
Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft 26 (1982), S. 144 – 162
[5] Fehr, Wolfgang:
Der junge Goethe. Drama und Dramaturgie. Paderborn 1994
[6] Gerstenberg,
Ekkehard: »Recht und Unrecht in Goethes ›Götz von Berlichingen‹«. In: Goethe
Jahrbuch, N.F. 16 (1954), S. 258 – 271
[7] Goethes Dramen.
Neue Interpretationen. Hrsg. v. Walter Hinderer. Suttgart 1980
[8] Huyssen,
Andreas: Drama des Sturm und Drang. München 1980
[9] Jeßing,
Benedikt: Johann Wolfgang Goethe. Stuttgart, Weimar 1995
[10] Keller, Werner:
»Das Drama Goethes«. In: Handbuch des deutschen Dramas. Hrsg. v. Walter Hinck.
Düsseldorf 1980, S. 133 – 156
[11] Martini, Fritz:
»Goethes ›Götz von Berlichingen‹. Charakterdrama und Gesellschaftsdrama«. In:
Ders.: Geschichte im Drama, Drama in der Geschichte. Stuttgart 1979, S. 104 – 128
[12] McInnes, Edward:
Moral, Politik und Geschichte in Goethes ›Götz von Berlichingen‹. In:
Zeitschrift für deutsche Philologie 103 (1984) Sonderheft, S. 2 – 20
[13] Müller, Peter:
Aber die Geschichte schweigt nicht. Goethes ›Geschichte Gottfriedens von
Berlichingen mit der eisernen Hand, dramatisiert‹ als Beginn der deutschen
Geschichtsdramatik. In: Zeitschrift für Germanistik 8 (1987), S. 141 – 159
[14] Neuhaus, Volker:
»Johann Wolfgang Goethe: ›Götz von Berlichingen‹«. In: Geschichte als
Schauspiel. Deutsche Geschichtsdramen. Interpretationen. Hrsg. v. Walter Hinck.
Frankfurt a. M.
1981, S. 82 – 100
[15] Staiger, Emil:
Goethe. 3 Bde. Zürich 1952 – 1959
[16] Zimmermann,
Rolf-Christian: Das Weltbild des jungen Goethe. 2 Bde. München 1969, 1979
1. Unterrichtsstunde
„warm up“
Methodisch-didaktische Hinweise
Der Text hat vermutlich beim Lesen einige Schwierigkeiten
bereitet. Aufgabe der ersten Stunde ist es, Raum zu bieten für die Artikulation
dieser Schwierigkeiten.
Dass Sprache, verwirrende Handlungsführung, vielleicht auch
der Stoff selbst, Widerstände boten beim Verstehen, sollte nicht davon abhalten,
auch nach positiven Eindrücken zu fragen. Diese werden wohl an den einzelnen
Figuren festgemacht und so ergibt sich das weitere Verfahren fast von selbst.
Wichtig erscheint vor allem, dass
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die (Verstehens-) Probleme formuliert und nicht
wegdiskutiert werden;
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die verwirrende Handlungsführung als solche bewusst
wird;
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 |
die Schüler Gelegenheit erhalten, auch Sympathien
bzw. Antipathien zu äußern;
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 |
die Schüler
erkennen, dass sich auch in der Sprache verankerte
Verstehensschwierigkeiten beheben lassen.
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Lernziele
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Die Schüler artikulieren ihre Verstehensprobleme
und reflektieren die Gründe, die zu vermuten sind.
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Sie erkennen, dass sich im Gespräch viele Probleme
klären lassen.
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Sie werden sich der Tatsache bewusst, dass sie mehr
oder weniger unbewusst Bewertungen vorgenommen, Sympathien entwickelt und
manches auch abgelehnt haben.
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Sie werden erstmals konfrontiert mit der Frage nach
Recht.
|
Einstieg: In einem offen gehaltenen Gespräch erhalten die
Schüler Gelegenheit, alle Schwierigkeiten zu benennen, die ihnen beim Lesen des
Stückes begegneten. Gegebenenfalls wurde als durchgehender Leseauftrag
formuliert:
Haltet schriftlich fest, was schwer oder gar nicht zu
verstehen war! Notiert auch, was das Verstehen erschwerte!
Arbeitsauftrag
Welche Schwierigkeiten hat euch die Lektüre von „Götz
von Berlichingen“ bereitet?
Lösungsvorschlag
Das Gespräch sollte die wesentlichen Schwierigkeiten
thematisieren:
– sprachliche Probleme (Wortwahl, Satzbau …)
– inhaltliche (Teil-) Probleme: unbekannte Elemente
(z. B. Faustrecht, Fehde, Urfehde …)
– Handlungsteile (Was spielt wo? Wer ist in welcher
Weise beteiligt? …)
Erweiterung: Das Gespräch um die Probleme ist zwar
wichtig, doch sollte es nicht zu viel Raum beanspruchen. Es wird Aufgabe des
Lehrers sein, auch positive Erfahrungen ins Gespräch zu bringen. Es könnte
gerade über die Frage nach Sympathie und Antipathie eine erste positive Wende
erreicht werden.
Arbeitsauftrag
Wo habt ihr Partei ergriffen? Warum habt ihr euch auf
die Seite des einen oder andere geschlagen?
Lösungsvorschlag
Es kann an dieser Stelle noch kein eindeutiges „Für und
Wider“ erwartet werden. Die Schüler sollten aber Gelegenheit haben, ihre
Sympathien auch zu äußern. Freilich wird man einen Schritt weiter gehen und nach
Gründen fragen.
Über die Frage nach Sympathie und Antipathie können erste
Schritte in Richtung einer Figurenbeschreibung unternommen werden. (Dabei
sollte man sich auf das Erfassen eines „Meinungsbildes“ beschränken.) In
Einzelarbeit erledigen die Schüler folgenden Arbeitsauftrag.
Arbeitsauftrag
Sympathie-Skala
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–5 |
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– 4 |
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–3 |
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–2 |
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–1 |
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0 |
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1 |
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2 |
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3 |
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4 |
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5 |
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Figur |
Kaiser |
Götz |
Elisa-beth |
Maria |
Karl |
Georg |
Bischof |
Weis-lingen |
Adel-heid |
Olea-rius |
Bruder Martin |
Selbitz |
Franz von Sickin-gen |
Lerse |
Franz |
Rats-herren |
Trage in der
Tabelle bei jeder Figur ein, wie sympathisch sie dir ist! Nutze die
gesamte Skala von –5 (Ekel, Unsympath) bis +5 (toller Kumpel …).
Überlege auch, warum dir der eine sympathisch, der andere unsympathisch ist!
Lösungsvorschlag
Die Auswertung können die Schüler selbstständig vornehmen. Die
Durchschnittswerte werden festgehalten. Es können sich Überlegungen anschließen,
die nach möglichen Gründen für die Bewertung suchen.
Eröffnung:
Wahrscheinlich wurde schon im Zusammenhang mit der Frage nach Sympathie auch die
Frage nach Recht und Unrecht angesprochen. Es bietet sich nun die Möglichkeit,
in einer Rollendiskussion zentrale Probleme des Stückes zu eröffnen.
Die Rollendiskussion wird in arbeitsteiliger Gruppenarbeit
vorbereitet. Jede Gruppe bereitet Argumente für die eigene Figur sowie Fragen
und Argumente gegen andere Figuren vor und schickt dann ihre Figur in die
Diskussion. Während der Diskussion fungieren die nicht beteiligten Schüler als
Beobachter und notieren mithilfe des Beobachtungsbogens (MA 2):
Was muss geklärt werden?
Was muss ausführlich diskutiert werden?
Arbeitsauftrag
Wer ist nun letztlich im Recht?
– Götz?
– Adelheid?
– Weislingen?
– Der Bischof von Bamberg?
– Franz von Sickingen
Versucht in einer Rollendiskussion eine erste
Annäherung an diese Frage!
Die Beobachter der
Diskussion arbeiten mit dem Beobachtungsbogen:
|
Figur |
Charakter |
Recht /
Unrecht |
Einfluss auf die Handlung |
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Götz von Berlichingen |
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Franz von Sickingen |
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Weislingen |
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Bischof von Bamberg |
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Adelheid |
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Kaiser |
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Offene Fragen |
zur Handlung |
zu den Figuren |
zu Fragen
des Rechts |
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Notiere und ordne
deine Beobachtungen, indem du diese Tabelle ausfüllst! Halte in der Zeile
„offene Fragen“ fest, was noch geklärt oder ausführlicher diskutiert werden
muss!
Lösungsvorschlag
Die Rollendiskussion sollte ausführlich geführt werden. Es ist
sehr wohl möglich, einem Schüler die Moderation – z. B.
in der Rolle eines Kaiserlichen Herolds – zu übertragen.
Auch die Notizen vom Beobachtungsbogen sollten zusammengetragen
und besprochen werden. Hierbei wird man darauf achten, dass Verwandtes zusammen
gesehen und auf den Punkt gebracht wird. Es werden wohl folgende Punkte
angesprochen werden:
– Was ist nun
überhaupt „Recht“?
(Oder: Gibt es da verschiedene Begriffe von Recht?)
– Was – konkret – kann man Weislingen vorwerfen?
– Was hat Götz
letztlich verbrochen?
(Oder: Woran orientiert sich Götz überhaupt?)
– Welche Rolle spielt der Kaiser in der
Auseinandersetzung zwischen Bischof, Weislingen und Götz?
In der nächsten Stunde soll die Handlung genauer verfolgt
werden. Die Hausaufgabe bereitet dieses Vorhaben vor. Arbeitsteilig wird
die Handlung schrittweise erfasst und einem Handlungsort zugeordnet.
Entsprechend den Akten des Dramas werden Gruppen festgelegt.
Arbeitsauftrag
Die Handlung des Dramas ist nicht ganz leicht zu
überschauen. Verschaffe dir einen Überblick, indem du
a) die Handlungsorte in eine Karte (Atlas
kopieren!)einträgst und bei jedem Ort die Eigenschaften, Dinge, Merkmale
vermerkst, die besonders typisch für ihn sind;
b) die in eurem Akt erkennbaren Handlungsschritte
dem jeweiligen Ort zuordnest und einträgst!
2. / 3.
Unterrichtsstunde
Die Orte und die Handlung
Methodisch-didaktische Hinweise
Die verwirrende Vielfalt der Schauplätze sowie die nicht
ganz einfach nachzuvollziehende Handlungsabfolge machen es notwendig, zunächst
in diesem Bereich Klarheit zu schaffen. In der hier vorgestellten Doppelstunde
wird beides miteinander verbunden. Gleichzeitig werden dabei
– wichtige Aspekte thematischer Art zwanglos
angesprochen sowie
– wichtige Fachtermini eingeführt bzw. vertiefend
wiederholt (Akt, Szene, Exposition).
Bereits die Zusammenstellung der Handlungsorte lässt eine
erste Strukturierung nach Spiel und Gegenspiel, nach Personengruppen und
Handlungsschwerpunkten erkennen. So wird mit Sicherheit der Gegensatz
Bamberg – Burg des Götz deutlich, aber auch die Bedeutung der Städte kann
erkennbar werden.
Unterrichtsmethodisch bietet die Stunde die Möglichkeit,
die Arbeit annähernd vollständig auf die Schüler zu verlagern und unter
Einbezug der Hausaufgabe auf Folie eine Gesamtübersicht über die einzelnen Akte
sowie an der Tafel den Ablauf der Handlung festzuhalten.
Lernziele
 |
Die Schüler gewinnen einen Überblick über die
einzelnen Handlungsstränge und ihre Verknüpfungen.
Sie unterscheiden die Handlung um Götz und sein Umfeld von der Handlung, die vom
Bamberger Hof bestimmt wird.
Sie erkennen in Weislingen die zentrale Figur, die beide Handlungen verknüpft.
|
 |
Die Schüler erfassen die Bedeutung des Begriffs
„Exposition“: Die jeweiligen Handlungsvoraussetzungen werden vorgestellt.
Sie unterscheiden – entsprechend den verschiedenen
Handlungssträngen – verschiedene Expositionsteile.
Sie erkennen, dass die Exposition nicht auf den ersten Akt beschränkt bleiben
muss.
|
 |
Die Schüler
gewinnen einen Überblick über die verschiedenen Handlungsorte und deren
Bedeutung für die Handlung. Sie sehen erste Zusammenhänge zwischen Orten und
zuzuordnenden Personen.
|
Einstieg / Erarbeitung:
Die Stunde wird eröffnet mit der Erläuterung der für die Besprechung und
Auswertung der Hausaufgabe vorgesehenen Arbeitsweise: Die jeweilige
Schülergruppe übernimmt während der Bearbeitung „ihres“ Aktes die Gesamtleitung.
Ein Gruppenmitglied hält auf einer Kartenfolie (oder auf einer stark
vergrößerten Kartenkopie) die Details (Zuordnung von Handlungsteilen zu Orten)
fest, ein zweites Gruppenmitglied hält an der Tafel die Handlungsabfolge fest.
Dabei wird der Begriff „Exposition“ zunächst ausgespart. Erst nach der
Zusammenstellung des entsprechenden Teils wird die Frage erörtert. Das im
Folgenden kursiv Wiedergegebene wird vorläufig unterdrückt.
Lösungsvorschlag
Die Handlungsabfolge lässt sich wie folgt festhalten.
Exposition im ersten Aufzug:
(1) Herberge (Schwarzenberg)
1. Exposition aus der Sicht der „Sympathisanten“
– Lage (Götz – Bamberg)
– Emotionen (Ritter /Fürsten)
(2) Herberge im Wald
2. Exposition: Götz und seine „Umgebung“
– Georg
– Hans
Rittertum aus der Sicht
Bruder Martins
(Rittertum = eigentliches Leben; menschl. Natur = Tat)
(3) Jagsthausen
a) Götz’ Sohn
Götz und sein Handeln in
Konfrontation mit seinem Sohn
(aus der Sicht von Frau und Schwester)
b) 3. Exposition: Weislingen
– aus der Sicht Elisabeths
– aus der Sicht Marias
c) Götz und Weislingen: W. gefangen; „ritterliches Gefängnis“
d)
Weislingen stellt seine Lage dar:
„Geschichte“ der Freundschaft mit Götz
e) Götz erinnert an die Freundschaft
(4) Das Problem Ritter – Fürst – Recht
(aus der Sicht Weislingens; aus der Sicht Götz’)
(5) Anlass des Streits:
– Landfriede
– Festnahme des Buben
– Verweigerung der Freilassung
(6) 4. Exposition: Hof des Bischofs – Situation im
Reich
a) Das Recht und die „Rechtsverdreher“
b) Probleme des Kaisers
c) Ankündigung der Aktion gegen Götz
Ansatz der Handlung Weislingen – Maria (Jagsthausen)
(1) Weislingens Veränderung
– Bedingung der Freilassung
– Ehrenwort
(2) Götz’ Traum
– Monolog: Rückblick und Wertung
(3) Ankündigung: Adelheid
– eingeführt aus der Perspektive von Franz
– Ablehnung durch Weislingen
Handlungsentwicklung I
II,1 Adelheid im Dienst des Bischofs
II,2 Götz in Fehde mit den Nürnbergern
II,3 Weislingen beim Bischof: doppelter Botenbericht
– schlimme Vorzeichen; Vorausdeutung;
– Weislingens Wandlung deutet sich an;
– erste „Anzeichen“ bei Adelheid)
II,4 Götz erfährt von Weislingens Reise nach Bamberg
– vorausdeutende Wertung durch Selbitz
– Götzens Vertrauen
– Georg wird ausgeschickt
II,5 Der Bischof kann Weislingen nicht halten
(Dennoch: Unsicherheit beider: Schluss!)
II,6 Ankündigung: Weislingen ist an Adelheid gebunden
Weislingen in der „Krisis“
Adelheids Trick
II,7 Weislingen wird bei Adelheid nicht vorgelassen
Monolog Weislingens:
– Bestätigung der „Vorzeichen“
– Versuch der Rechtfertigung
– immer noch entschlossen zu gehen
II,8 Botenbericht (Georg)
– Abkehr Weislingens von Götz
– W. übernimmt die Argumente des Bischofs und Adelheids
II,9 Adelheid ist mit Weislingen nicht mehr zufrieden
– Weislingen bestätigt seine Abkehr von Götz
– Weislingen will zum Reichstag (Vorankündigung)
– Die Aktion Adelheids wird für den Zuschauer verstehbar
II,10 Bauernszene – Götz wartet auf die Nürnberger
Darstellung der Rechtssituation: Jeder nimmt, die Visitation ist machtlos
Handlungsentwicklung II
III,1 Situation des Kaisers aus dessen Sicht
– Weislingens Rat: zuschlagen gegen Götz
– Zurückhaltung des Kaisers
– Weislingens Hinweis auf die aufflammenden Unruhen unter
den Leibeigenen
III,2 Sickingen wirbt um Maria
III,3 (Zeitsprung): Der Kaiser befolgt Weislingens Rat und
lässt Götz gefangennehmen
III,4 Götz wird die Acht eröffnet. Er schickt Sickingen
weg
III,5 Botenbericht
(Franz):
Die Exekution ist mit Weislingen aufgebrochen.
Andeutung: Franz liebt Adelheid
III,6 Lerse kommt zu Götz
Darstellung der
ritterlichen Grundeinstellung:
„Achtung vor der Tapferkeit auch des Gegners“
Erste Reichsvölker im Anmarsch
III,7 Die miserable Kampfmoral bei den Kaiserlichen
III,8 indirekte Andeutung. Götzens erster Sieg
III,9 Selbitz bei Götz; Klarheit: Weislingen steht hinter
der Ächtung
III,10 Entschluss der Kaiserlichen, Jagsthausen zu belagern
III,11/12 Schlachtszenen
III,13 (Mauerschau)Kampfbericht;
Botenbericht:
Götz gibt Erläuterungen; der Sieg
III,14 bei den Kaiserlichen
III,15 Situation bei Götz („Nottrauung“ Sickingens)
III,16 Die Kaiserlichen rücken mit 150 Mann an
III,17 Götz schickt
Sickingen weg; Aufforderung zur Übergabe;
Götz’ Reaktion
III,18 Situation in der belagerten Burg
III,19 Verhältnis Götz – Kaiser aus der Sicht von Götz
– G. sieht seinen Kampf als Kampf für die Freiheit und auch
für den Kaiser
– die Fürsten ,wie sie sein sollten
– die drei Bedingungen für „Wohlergehen“:
· Verehrung des Kaisers
· Friede und
Freundschaft des Nachbarn
· Liebe der Untertanen
- freies Geleit wird zugesichert.
III,20 (Botenbericht) Andeutung des Verrats bzw. Wortbruchs
der Kaiserlichen
IV,1 Götz gefangen in Heilbronn
– der Wortbruch im Rückblick
– die Behandlung der Leute von Götz
IV,2 Götz vor den kaiserlichen Räten
– die Bedingungen der Gnade
– die Ablehnung und ihre Begründung
– Drohung mit dem Gefängnis
– Götz begründet seine Fehde
– Götz wehrt sich gegen die Gefangennahme
– Sickingen vor der Stadt
IV,3 Sickingen hat Götz befreit
– Götz ist immer noch zu ehrlich
– Sickingens Pläne
– Götz erinnert sich an die Untreue Weislingens
IV,4 Adelheid und Weislingen
– (Botenbericht) Götz auf seiner Burg; Reaktion des Kaisers
– Weislingens Einschätzung
– Weislingen zeigt sich eifersüchtig
– Adelheids Monolog:
Ihr dämonischer Ehrgeiz nimmt auf W. keine Rücksicht
– Bestätigung des Monologs in der Begegnung mit Franz
IV,5 Darstellung des Götzschen Charakters:
– „ritterliches Tun“ als angemessene Tätigkeit
– das gegebene „Wort“ als ritterlich-ethische Maxima
– „Muster eines Ritters“
Erkennen des Umschwungs:
– Götz: „Wir sind aus unserem Kreise gerückt“
– Komet als Zeichen
– Götz: „Unsere Bahn geht zu Ende“
Andeutung des Bauernaufstands
V,1 5. Exposition: Bauernkrieg
– Grausamkeiten der Bauern (Rache)
– Suche nach einem Hauptmann
– der Komet als Zeichen
V,2 Götz in der Entscheidung
– Bedenken (Wort halten? – Grausamkeiten verhindern?)
– die Entscheidung: der Vertrag
– Link /Metzler und ihre Einwände
– Der Vertragsbruch der Bauern kündigt sich an.
V,3 Weislingen
zieht selbst in den Kampf;
Franz wird zu Adelheid geschickt
V,4 Elisabeth bewertet die Entscheidung von Götz, Lerse
verteidigt Götz
V,5 der Vertragsbruch; Götz sagt sich los; Bauern werden
geschlagen; Weislingen tritt auf.
V,6 Zigeunerlager: Götz findet Zuflucht; Zigeuner
verehren Götz
V,7 Götz wird gefangen
V,8 (Parallelhandlung) Adelheid bewertet den Brief und
die Forderung Weislingens; Franz übernimmt Mordanschlag
V,9 Bericht Lerses
– Götz im Turn; Weislingen Kommissar; Exekutionen
– Maria soll zu Weislingen
V,10 Monolog Weislingens
– der Einfluss von Götz
– „böse Geister haben Macht über uns“
– Andeutung der Vergiftung
Maria bei Weislingen; W. zerreißt das Todesurteil
Franz gesteht Anschlag
Maria vergibt Weislingen
V,11 Femegericht: Ende der Adelheid-Handlung
V,12 Maria /Lerse auf
dem Weg zu Götz
V,13 Götz im Gefängnis: Gedanken zur „Situation“
V,14 Georg ist tot; Götz: „Meine Wurzeln sind abgehauen“;
„du hast dich selbst überlebt“; Bewertung kommender Zeiten: Betrug; List;
Nichtswürdige werden regieren.
Bewertung der Figur des Götz als Abschluß (Maria /Lerse)
Auswertung: In einer ersten Auswertung wird nun im
Unterrichtsgespräch nach der dramaturgischen Funktion einzelner Teile
gefragt. Dabei geht man zweckmäßigerweise Schritt für Schritt vor und klärt
zunächst die Expositionsteile, ehe die Handlungsentwicklung verfolgt wird.
Hinweis: Vorläufig soll nur der Handlungsablauf festgehalten
werden. Eine Untersuchung der Handlungsstruktur ist für die Folgestunde
vorgesehen.
Arbeitsauftrag
Was leisten die Teile
(1) – (6)
bezogen auf das ganze Drama für den Zuschauer?
Wo im weiteren Verlauf des Dramas gibt es noch Teile der
Exposition?
Wo setzt die Handlung ein? Wo sind Einschnitte
festzustellen?
Lösungsvorschlag
Die kursiv ausgewiesenen Teile werden Schritt für Schritt
eingetragen.
Die einzelnen, die Handlung tragenden Figuren sind jetzt
genannt und in der Handlung verankert. In der Hausaufgabe sollen die Schüler
sich genauer mit den Eigenschaften der einzelnen Figuren beschäftigen. Soll
textnah gearbeitet werden, so ist eine Aufteilung der Arbeit zu empfehlen.
Arbeitsauftrag
– Stellt die Eigenschaften der folgenden Figuren
zusammen: Sickingen, Selbitz, Lerse, Maria!
– Stellt die Eigenschaften der folgenden Figuren
zusammen: Bischof v. Bamberg, Weislingen, Adelheid!
Achtet darauf, dass ihr eure Aussagen am Text belegt.
Hinweis: Nicht
immer werden die Eigenschaften einer Figur unmittelbar benannt. Oft muss man sie
auch herausarbeiten, indem man
– untersucht, was die Figur sagt (besonders die
Monologe geben da Auskunft!),
– untersucht, was andere über die Figur sagen,
– untersucht, was eine Figur tut.
4. / 5.
Unterrichtsstunde
3 Die handelnden Figuren
Methodisch-didaktische
Hinweise
Wenn auch die Vielzahl der auftretenden Figuren etwas
verwirrend sein könnte, so ist doch – vom Fall Weislingen einmal
abgesehen – eine klare Figurenkonstellation festzustellen. Dabei lassen sich
Spieler und Gegenspieler und die ihnen zugeordneten Figuren klar unterscheiden.
Selbst Weislingen ist in seiner jeweiligen Situation eindeutig zu bestimmen.
Die Figuren handeln unter genau beschreibbaren
Zielsetzungen, sind damit in ihren
Motivationen erfassbar und in ihren ethischen Orientierungen bewertbar
(oder doch zumindest zu diskutieren).
Gerade die deutlichen Figurenprofile könnten zur
Identifikation oder direkten Ablehnung führen. Das wiederum lässt sich
unterrichtsmethodisch nutzen und in handlungsorientierte Aktion überführen.
Wenn auch die Gegenüberstellung von Spieler und
Gegenspieler deutlich vor Augen tritt, so ist die Gesamtkonstellation doch etwas
komplexer strukturiert, zumal die Rolle des Kaisers nicht immer eindeutig
bestimmbar ist. Unterrichtsmethodisch soll der Komplexität Rechnung getragen
werden, indem eine angemessene Strukturskizze entwickelt wird, die die
Beziehungen zwischen den entsprechenden Figuren erkennbar werden lässt.
Dass Götz vorläufig noch ausgespart bleibt, hängt damit
zusammen, dass mit seinem Auftreten der Begriff (wie die Sache!) „Konflikt“ in
den Mittelpunkt d er Betrachtung treten wird.
Lernziele
 |
Die Schüler erkennen die wesentlichen Merkmale /Eigenschaften
der handlungstragenden Figuren.
|
 |
Sie erkennen die Figurengruppierungen anhand der
konstitutiven Merkmale
|
 |
Sie erfassen die Beziehungen zwischen den
Figurengruppen.
|
 |
Sie setzen sich mit der Rolle auseinander, die der
Kaiser im Rahmen der Konfiguration spielt.
|
Einstieg: Die Schüler haben sich zu Hause mit den Figuren
bzw. Figurengruppen beschäftigt. Es wird so möglich, ohne allzu intensive
Steuerung durch den Lehrer die Stunde mit dem Bau von Standbildern zu
eröffnen. Jeweils ein Schüler übernimmt die Leitung beim Aufbau eines Bildes. Er
kann dann auch das Gespräch über das gebaute Bild moderieren.
Arbeitsauftrag
– Baut ein Standbild, in dem ihr den Bischof,
Adelheid und Weislingen darstellt.
– Baut ein Standbild, in dem ihr Sickingen,
Selbitz, Weislingen und Maria darstellt.
Lösungsvorschlag
Es geht darum, das Selbstbewusstsein der jeweiligen Figuren
zum Ausruck zu bringen. Das Verhältnis zwischen den Figuren sollte hier noch
nicht ausdrücklich thematisiert werden.
Das Gespräch über das jeweilige Standbild könnte durch
Impulse in Gang gebracht werden, wie z. B.:
Wie fühlst du dich, Adelheid? An was denkst du,
Weislingen, wenn du dem Bischof begegnest? …
Die Klasse lässt sich ins Gespräch ziehen mit Fragen wie:
Schaut euch Sickingen an. Würdet ihr mit ihm auf eine
gefährliche Expedition gehen? Würdet ihr Diener beim Bischof sein wollen?
Die Figuren beenden ihre Rolle im Standbild mit einem
Satz. Der Lehrer oder die Klasse könnten beim Formulieren helfen und Satzanfänge
liefern. Beispiele:
– Mag sein, dass ich als Frau zum schwachen
Geschlecht gehöre, aber …
– Als Bischof erwarte ich …
– Wenn Sie mich fragen was für mich Freundschaft
bedeutet, kann ich nur sagen …
– Was heißt hier Freundschaft? Die haben mich doch …
Erarbeitung: Die Schlusssätze sind wohl geeignet, für den
folgenden Schritt zu motivieren und die Frage nach den genauen Eigenschaften der
Figuren in den Blick zu rücken. Die Schüler haben sich arbeitsteilig in der
Hausaufgabe schon mit den Eigenschaften beschäftigt. Die einzelnen Gruppen
erhalten nun kurz Gelegenheit, ihre Ergebnisse abzugleichen.
Arbeitsauftrag
Trage die wichtigsten Eigenschaften der Figuren in die Skizze
(MA 4) ein! Gib jeweils
auch Textbelege an!
Lösungsvorschlag
Wieder können die Schüler selbstständig die Rahmenskizze
auffüllen. Der Lehrer wird lediglich darauf achten, dass alle Eintragungen
abgesichert werden (Textstellen!)
Vertiefung: Im Unterrichtsgespräch können nun die
Beziehungen zwischen den Figurengruppen erörtert und anschließend ebenfalls in
die Skizze eingetragen werden.
Arbeitsauftrag
a) Beschreibt die Beziehungen
zwischen dem Bischof und seinen Leuten einerseits und dem Kaiser.
b)
Beschreibt die Beziehungen zwischen Sickingen und den Leuten um ihn einerseits
und dem Kaiser andererseits.
c)
Beschreibt die Beziehungen zwischen Dem Bischof und den Bauern.
d)
Beschreibt die Beziehungen zwischen Sickingen und den Bauern.
Lösungsvorschlag:
a) Hintergehen den Kaiser; versuchen, den Kaiser für ihre
Zwecke einzusetzen. (III,1; III,3; V,6)
b) Sehen sich direkt dem Kaiser verantwortlich; stehen treu zum
Kaiser. (III,1; III,19)
c) Unterdrücken die Bauern und beuten sie aus. (II,10; III,1;
V,1)
d) Unterstützen die Bauern im Kampf gegen die Fürstenwillkür
(I,1; I,2)
So könnte die fertige Skizze aussehen:

Aus den Gegebenheiten, wie
sie im Konfigurationsschema festgehalten wurden, lassen sich nun die
Konfliktpotenziale erschließen, die den Gang der Handlung bestimmen.
Entsprechende Überlegungen sollen die Schüler zur Vorbereitung der folgenden
Stunde als Hausaufgabe anstellen.
Arbeitsauftrag (Hausaufgabe)
Bisher wurde die Position von Götz im Rahmen der
Konfiguration noch nicht genau inhaltlich bestimmt.
– Beschreibt die Beziehungen, die Götzens
Verhältnis zu den einzelnen Figuren bestimmen!
– Welche Konfliktansätze lassen sich so erkennen?
6. / 7.
Unterrichtsstunde
Handlungsentwicklung und Konflikte
Methodisch-didaktische
Hinweise
Es wäre wohl zu einfach und würde der goetheschen Intention
auch kaum gerecht, würde man den Konflikt auf den Gegensatz zwischen dem treuen,
ehrlichen Götz und dem hinterhältigen Fürstendiener Weislingen oder auf den
Gegensatz zwischen dem Haudegen Götz und dem machtbesessenen Bischof reduzieren.
Mit Sicherheit spielen auch kontroverse Auffassungen von dem, was Recht sei,
eine große Rolle. Genau dieser Gegensatz aber ist nicht ganz einfach zu
begreifen. Handelt es sich da um einen – für uns heute schwer
nachvollziehbaren – Gegensatz zwischen einer Position, die das mittelalterliche
Rechtsdenken bestimmte und den verantwortlich Handelnden besonders stützte
(damit war dieses Denken dann auch immer gefährdet) und einer Position, die wir
heute für selbstverständlich halten: Das Recht und die Wahrung des Rechts liegt
gewissermaßen beim Staat, der allein Gewalt anwenden darf, wenn es um die
Durchsetzung des Rechts geht. Genau dieses Gewaltmonopol aber bestreitet Götz.
Es wird so unumgänglich, wichtige Begriffe, die das
Rechtsdenken, auf das Goethe sich bezieht, anzusprechen. (In der 9.
Unterrichtsstunde werden die Zusammenhänge nochmals ausführlicher erörtert.)
Die genauere Untersuchung der Handlungsstrukturen vermag zu
verdeutlichen:
– Der ehrlich Handelnde kann sich ins Unrecht setzen.
– Das Recht lässt sich missbrauchen.
Lernziele
 |
Die Schüler beobachten die verschiedenen
Konfliktentwicklungen und
|
·
beschreiben die jeweiligen Voraussetzungen;
·
benennen die Konfliktansätze;
·
reflektieren die Entwicklungen und Lösungen.
 |
Die Schüler setzen sich mit den
Verhaltensweisen von Götz und Bischof auseinander:
|
·
Sie erkennen die Motive.
·
Sie Beurteilen das Verhalten.
 |
Die Schüler lernen die verschiedenen
Rechtsauffassungen als mögliche Ursachen der Konflikte im Stück kennen.
|
 |
Sie verstehen Fehde und ritterlichen Zweikampf als
Elemente mittelalterlichen Rechts.
|
 |
Sie erfassen die Bedeutung des „Landfriedens“ und
kennen den Begriff „Reichsacht“.
|
Einstieg: In einem offenen Gespräch wird zunächst
die Frage angegangen, womit die Handlung eigentlich einsetze. Daraus leitet sich
die Frage nach den Handlungsvoraussetzungen überhaupt ab. Gleichzeitig wird so
ein Teil der Hausaufgabe besprochen.
Arbeitsauftrag
Wie steht es um die Beziehung zwischen Götz und dem
Bischof von Bamberg zu Beginn des Stückes?
– Was will Götz?
– Was will der Bischof?
– Wie wollen beide ihre Ziele erreichen?
Lösungsvorschlag
Als Voraussetzungen der Handlungsentwicklung sind zu sehen:
Götz sieht sich als freier Reichsritter, der berechtigt
ist, in der Fehde sein Recht zu suchen bzw. durchzusetzen. Damit gerät er in
Konflikt mit jenen, die den Handlungsspielraum der Ritter einschränken wollen,
die damit auch ihre eigene Macht auszudehnen versuchen. Der Bamberger Bischof
nimmt den Buben des Götz gefangen, was im Grunde als Bruch des Landfriedens
anzusehen ist.
Im Gespräch wird die folgende Tafelskizze entwickelt:
Erarbeitung: Die zwei wichtigen Rechtsbegriffe „Fehde“ und
„Landfrieden“ müssen in Stillarbeit geklärt werden. (MA 5)
Arbeitsauftrag
Formuliert
a) Was
bedeutet Fehde?
b) Was
bedeutet „Landfriede“
Lösungsvorschlag
a) Fehde bedeutet: Jemand kann in einem nach ritterlichen
Regeln geführten „Privatkrieg“ sein Recht durchführen. Nur der freie Wehrfähige
durfte eine Fehde führen. Die Fehde war als ein völlig legales Mittel, Recht zur
Geltung zu bringen.
b) Der „Landfriede“ verbot die Fehde. Er legte fest: Recht darf
man nur vor einem ordentlichen Richter suchen. Nur wenn jemandem da keine
Genugtuung widerfährt, darf er die Fehde ansagen.
Vertiefung: Mithilfe dieser neuen Kenntnisse sollen die
Schüler nun im Unterrichtsgespräch das Verhalten von Götz und dem
Bischof bewerten.
Arbeitsauftrag
Wie sind nun die Verhaltensweisen von Götz und Bischof
einzuschätzen?
Lösungsvorschlag
Götz handelt in Einklang mit dem „alten“ Rechtsempfinden.
Er sieht seine Fehde als rechtmäßig an. Der Bischof hingegen hat den Landfrieden
gebrochen.
Erarbeitung: Eine zweite Handlungsvoraussetzung muss im
Unterrichtsgespräch noch geklärt werden. Weislingen steht zwar zunächst auf
der Seite der Feinde des Götz, ist sich aber über seine Haltung selbst nicht im
Klaren und kehrt zu Götz zurück.
Arbeitsauftrag
Wie stellt sich das Verhältnis Götz /Weislingen
gegenüber dem Bischof dar? Welche Rolle spielt da Adelheid?
Lösungsvorschlag
Gegebenenfalls wird man die Szene der Begegnung Götz – Weislingen
(I,3) mit verteilten Rollen lesen, ehe man die Frage nach dem neuen Bund
zwischen Götz und Weislingen klärt.
Götz verbündet sich erneut mit Weislingen. Sie erinnern
sich an ihre gemeinsame Geschichte, die bestimmt war durch Freundschaft. Das
Bündnis führt letztlich zur Verlobung Weislingens mit Maria. Dem steht ein
zweites Bündnis zwischen Bischof und Adelheid gegenüber. Beide verbinden
gemeinsame Interessen. Sie verbünden sich, um einen bestimmten Zweck zu
erreichen. Dabei ergänzen sich beide in ihren Absichten, wenn Adelheid sich
vornimmt, Weislingen an den Hof zurückzuholen.
Die Gesamtsituation wird an der Tafel festgehalten:
Erarbeitung: Nachdem die Handlungsvoraussetzungen geklärt
sind, kann mit der Untersuchung der Handlungsentwicklung begonnen werden. Dabei
geht es nicht um eine „Nacherzählung dessen, was geschieht“ (das wurde schon
erledigt!), sondern um die Herausarbeitung einzelner besonderer Momente. So
wird man im Unterrichtsgepräch zunächst zu klären haben, welcher Mittel
sich beide Seiten in der Auseinandersetzung bedienen.
Arbeitsauftrag
Welcher Mittel bedienen sich beide Seiten?
– Welche Haltung bestimmt Götz? Wie will er die
Auseinandersetzung führen?
– Wie gedenkt die Bamberger Seite zu verfahren?
Lösungsvorschlag
Die Haltung von Götz wird bestimmt durch Treu und Glauben.
Er denkt, die Auseinandersetzung mit ritterlichen Mitteln in ritterlichem Kampf
führen zu können nach entsprechenden ritterlichen Regeln. Die Gegenseite schafft
es mittels List und Verführung Weislingen auf ihre Seite zu ziehen. Sie
bedienen sich der Intrige, um zum Ziel zu gelangen.
An der Tafel wird festgehalten:
Vertiefung: Es wird nun notwendig, genauer zu untersuchen,
wie es zu der fatalen Lage Götzens kam. Im Unterricht wird an die schon
angedeuteten Rechtsstandpunkte erinnert. (Ausführlicher geklärt wird die Frage
des Rechts zu einem späteren Zeitpunkt!) In Einzelarbeit wird anhand der
Materialien (MA 6, MA7) geklärt,
Arbeitsauftrag
Was gehört zu einem „ritterlichen Kampf“?
Nach welchen Regeln läuft der Kampf ab?
Was bedeutet die „Reichsacht“?
Lösungsvorschlag
Zum ritterlichen Zweikampf gehören:
– zwei „ebenbürtige“ Gegner
– vorschriftsmäßige Bewaffnung
– …
Die wichtigsten Regeln:
– ...
Reichsacht bedeutet: Der (im gesamten Reich!) Geächtete wurde
von niemandem aufgenommen, wurde nirgends mehr bewirtet, war nicht mehr
rechtsfähig. Niemand durfte ihm Gefolgschaft leisten.
Erarbeitung: Im Unterrichtsgespräch werden die
Ergebnisse integriert in die weitere Untersuchung der Handlungsstruktur.
Arbeitsauftrag
– Wie geht Götz die Auseinandersetzung mit Weislingen an?
– Was setzt Weislingen dem entgegen?
– Wie kommt es, dass Götz gefangen wird?
– Wie ist Sickingens Aktion zu sehen?
– Wie reagiert Götz am Ende dieser Phase?
Lösungsvorschlag
– Götz ist von der Legalität des Faustrechts
überzeugt. Er ist bereit, den ritterlichen Kampf zu führen, und vertraut darauf,
dass seine Gegner die ritterlichen Regeln ebenfalls einhalten.
– Weislingen geht vom „römischen Recht“ aus, das Götz
ins Unrecht setzt. Er erwirkt die Reichsacht für Götz. Er bricht sein Wort und
so gelingt es, Götz gefangen zu nehmen.
– Siehe oben
– Sickingen setzt den ritterlichen Kampf fort und
befreit Götz.
– Götz steht am Ende zu seinem Wort.
An der Tafel lässt sich die Struktur so verdeutlichen:
Der folgende Schritt hat zu klären, wie es kommt, dass sich Götz
selbst ins Unrecht setzt. Dazu wird es notwendig, einige historische
Gegebenheiten zu klären. Das soll in der Hausaufgabe geschehen.
Arbeitsauftrag
– Informiert euch mithilfe eures
Geschichtsbuches. Klärt schriftlich zum Thema „Bauernkriege“:MA 7
·
Wer war beteiligt?
·
Wer waren die Anführer?
·
Wie reagierten die Herrscher?
·
Wie endeten die Aufstände?
– Informiert euch über den historischen Götz von
Berlichingen!
8. Unterrichtsstunde
Das Ende des Götz von Berlichingen
Methodisch-didaktische
Hinweise
Zwar ist nicht beabsichtigt, den Deutschunterricht zum
Geschichtsunterricht umzufunktionieren, doch erscheint es für das Verständnis
wichtiger Details unumgänglich, Einsichten in historische Gegebenheiten wie
z. B. die Bauernkriege verfügbar zu halten. So könnte dann das Verhalten des
Götz verstehbar werden, der glaubte, er könne die führerlosen, blutrünstigen
Bauern in Zaum halten. Dass er damit seinen eigenen Prinzipien untreu wurde und
sein gegebenes Wort brach, macht einen Teil seiner Tragik aus. Während seine
Gegner mehrfach wortbrüchig wurden und nie dafür zur Rechenschaft gezogen
wurden, wird ihm die einmalige Verfehlung, in die er dazu noch getrieben wurde,
zum Verhängnis.
Unterrichtsmethodisch bietet sich hier die Möglichkeit, aus
dem sinngestaltenden Lesen mit verteilten Rollen heraus die Situation und die
Motivation des Götz zu erfassen und dann in einer Rollendiskussion das Verhalten
erörternd zu beleuchten.
Lernziele
 |
Die Schüler erfassen die Situation des Götz:
|
·
Sie erkennen seine Bindungen.
·
Sie erkennen seine Handlungsmotive.
 |
Die Schüler bewerten die Entscheidung des Götz.
|
 |
Die Schüler erkennen das tragische Ende des Götz:
|
·
Sie reflektieren seine „Befindlichkeit“.
·
Sie erkennen die abschließende Bewertung im Stück und setzen sich mit ihr
auseinander.
Einstieg: Die Schüler besprechen und erläutern die
Ergebnisse ihrer Hausaufgabe (Sammeln von Informationen zum Bauernkrieg).
Lösungsvorschlag
Den Bauern ging es darum, sich gegen die Unterdrückung
durch die Fürsten zu wehren. Diese hatten versucht, das „alte Recht“ außer Kraft
zu setzen und einen geschlossenen Untertanenverband herzustellen, d.h. Recht und
Freiheit des freien Bauern zu unterdrücken.
Ihre Anführer waren z.T. alte Landsknechte, aber auch freie
Ritter spielten bisweilen eine wichtige Rolle (Florian Geyer, Götz …)
Die Fürsten schlossen sich zusammen und engagierten straff
geführte Söldner, denen es nicht schwer fiel, die schlecht bewaffneten,
unorganisierten Bauernhaufen zu schlagen.
Erarbeitung: Ehe im Unterrichtsgespräch der
Konfliktansatz Götz – Bauern besprochen wird, sollte mit verteilten Rollen der
entsprechende Textabschnitt gelesen werden.
Arbeitsauftrag
Götz wird Hauptmann der Bauern:
– Welche Gründe motivieren seine Entscheidung?
– Was steht dieser Entscheidung entgegen?
(Gegebenenfalls: Was bedeutet „Urfehde“?)
– Was ist das Resultat der Entscheidung?
Lösungsvorschlag
Unter Umständen muss in einer kurzen Stillarbeit mithilfe
des Textes MA 5 der Begriff „Urfehde“ wiederholt werden. Hier liegt eben auch
das Problem: Götz hat Urfehde geschworen und darf eigentlich nicht in den Kampf
eingreifen. Andererseits aber üben die führer- und kopflosen Bauern Zwang auf
ihn aus. So kommt es zum Wortbruch.
An der Tafel lassen sich die Strukturzusammenhänge so
festhalten:
Vertiefung: In einer
Rollendiskussion Götz – Weislingen oder Götz – Kaiser kann das Problem der
Rechtfertigung des Verhaltens von Götz erörtert werden.
Arbeitsauftrag
Bereitet eine Rollendiskussion vor: Götz verteidigt seine
Entscheidung gegenüber dem Kaiser.
Lösungsvorschlag
– Der Kaiser wird auf der Urfehde bestehen und den
Wortbruch von Götz in den Mittelpunkt stellen. Er wird Götz auf dessen eigenem
Terrain (ritterliches Recht) entgegnen.
– Götz wird auf die aus der Situation resultierenden
Faktoren verweisen und auch seine Absicht, Schlimmeres zu verhindern, ins Feld
führen. Er wird allerdings auf keinen Fall auf den Wortbruch seiner Gegner
verweisen dürfen. (Damit würde sein „System“ fragwürdig und unglaubwürdig.)
Erarbeitung: Aus der Diskussion heraus wird sich der Blick
auf das Ende der Handlung öffnen. Im Unterrichtsgespräch werden die
einzelnen Aspekte erörtert.
Arbeitsauftrag
Wie entwickelt sich die Auseinandersetzung weiter?
Lösungsvorschlag
Weislingen führt die kaiserlichen Truppen, Götz hat sich
dazu bewegen lassen, die Bauern zu führen in der Hoffnung, sie von ihren
Grausamkeiten abhalten zu können. Die Bauern brechen ihren Vertrag, Götz ist
machtlos. Im Kampf der kaiserlichen Truppen gegen die Bauern kommt es zum
Konflikt zwischen Götz und den Bauern. Die Zerstrittenheit führt zum Sieg der
Kaiserlichen. Götz wird gefangen genommen und ist am Ende.
Die Zusammenhänge lassen sich an der Tafel so darstellen:
In der nächsten Stunde soll die Frage nach dem Recht im
Mittelpunkt stehen. Deshalb sollen die Schüler in der Hausaufgabe schriftlich
klären:
Arbeitsauftrag
Informiere dich mithilfe von MA 5 und MA 9 über Recht und Gesetz im Mittelalter.
a) Wer
achtete auf die Einhaltung der Gesetze?
b) Was
bedeutet „Faustrecht“ ?
c) Was
bedeutet „Gewaltmonopol des Staates“ ?
d) Was
bedeutet „Landfrieden“ ?
9. Unterrichtsstunde
6 Alles, was recht ist …
Methodisch-didaktische
Hinweise
Für uns ist es nur schwer nachzuvollziehen, wie in einem
gesellschaftlichen Zustand, der ohne Polizei auskommt und damit ohne staatliche
Gewalt, die das Recht aufrecht erhält, Gerechtigkeit herrschen, Recht geschaffen
und gegebenenfalls auch durchgesetzt werden kann. Ein solcher Zustand kommt
gewiss dem Individuum und seiner Entfaltung am weitesten entgegen, birgt aber
immer die Gefahr reiner Willkür in sich. Soll Recht herrschen, ist das „starke“,
ethisch verantwortlich handelnde Individuum gefordert.
Dieses große Individuum, wie es der Götz Goethes
repräsentiert, wird wieder in Erinnerung zu rufen sein, wenn Begriffe wie
„Willkür“ die Diskussion bestimmen.
Im bisherigen Unterricht sind die Fragen „Was ist Recht?“
und „Ist Götz im Recht?“ immer wieder aufgetaucht. Sie sollen in den nun
folgenden Stunden ausführlich geklärt werden. Deshalb wird es notwendig,
zunächst die grundlegenden Begriffe zu klären.
Unterrichtsmethodisch wird zumindest der zweite Teil der
Stunde auf präzise Textarbeit ausgerichtet sein und dann die Verbindung
zwischen Text und allgemeinen Überlegungen herstellen.
Lernziele
 |
Die Schüler reflektieren die Begriffe „Recht“ und
„Gerechtigkeit“.
|
 |
Sie erkennen die historische Bedingtheit bestimmter
Rechtsauffassungen.
|
 |
Sie stellen mittelalterliches und römisches Recht
vergleichend gegenüber.
|
 |
Sie erkennen Vorteile und negative Folgen beider
Rechtsauffassungen.
|
Einstieg: In einem offenen Gespräch äußern die
Schüler ihre Meinung zu den Begriffen „Recht“ und „Gerechtigkeit“.
Arbeitsauftrag
Was versteht ihr unter „Recht“ und unter „Gerechtigkeit“ ?
Lösungsvorschlag
Die Schüler sollen zunächst
ungesteuert ihre Auffassungen vortragen. Dabei werden sie erfahrungsgemäß
Schwierigkeiten haben mit abstrakt – allgemeinen Formulierungen und statt
solcher konkrete Beispiele anbieten. („Gerecht ist einer, der …)
Die Beispiele sollen zunächst akzeptiert und gegebenenfalls noch erweitert
werden. Dann aber wird man versuchen, zu allgemeinen Formulierungen zu gelangen.
Unter Umständen gibt man den Schülern Lexikondefinitionen vor und erläutert
diese bzw. bezieht sie auf die vorgebrachten Beispiele.
|
Das DUDEN-Wörterbuch gibt an:
gerecht: „1. dem geltenden Recht entsprechend, gemäß; nach
bestehenden Gesetzen handelnd, urteilend …
2. dem [allgemeinen] Empfinden von Gerechtigkeit, Wertmaßstäben
entsprechend, gemäß; begründet, gerechtfertigt …“
Gerechtigkeit: „das Gerechtsein; Prinzip eines staatlichen oder
gesellschaftlichen Verhaltens, das jedem gleichermaßen sein Recht gewährt …“
(Bd. 3 S. 1295)
Recht: „1.a) Gesamtheit der staatliche festgelegten bzw. anerkannten
Normen des menschlichen, bes. gesellschaftlichen Verhaltens; Gesamtheit der
Gesetze und gesetzähnlichen Normen; Rechtsordnung … .
2.berechtigter, zuerkannter Anspruch, Berechtigung oder Befugnis“ (Bd. 6
S. 2718)
Zitate aus: DUDEN Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 8 Bänden. 2. Aufl.
1995; |
Besprechung der Hausaufgabe: Im Unterrichtsgepräch
wird nun die Hausaufgabe besprochen. Dabei wird immer wieder vergleichend auf
das gerade Erarbeitete einzugehen sein.
MA 9
Lösungsvorschlag
Die entscheidenden Probleme rührten daher, dass es keine
Institution gab, die die Einhaltung der Gesetze garantierte bzw. dass jedermann
berechtigt war, sein Recht notfalls mit Gewalt durchzusetzen.
a) An sich war es Aufgabe des Kaisers und in seiner Nachfolge
auch seiner Lehensleute, für Gerechtigkeit zu sorgen.
b) „Faustrecht“ bedeutet, dass jeder (Freie) berechtigt war, sein
Recht gegebenenfalls auch mit Gewalt durchzusetzen. Es gab dann aber feste
Regeln für die Durchführung (siehe Fehde …).
c) Unter „Gewaltmonopol des Staates“ versteht man das alleinige
Recht des Staates, Gewalt anzuwenden, wenn es um die Durchsetzung eines
Gesetztes bzw. um die Schaffung von Recht geht.
d) Unter „Landfrieden“ verstand man einen Zustand, in dem durch
den Kaiser Ruhe geboten wurde. Die Fehde war verboten, das Faustrecht war außer
Kraft gesetzt, nur im Auftrag des Kaisers durfte Gewalt angewendet werden.
Erarbeitung: Es dürfte nun nicht mehr schwer fallen, die
angestellten Überlegungen auf die Situation im Drama zu übertragen. Eine genaue
Textarbeit schafft die Basis für ein weiteres Gespräch. Untersucht werden
soll die Szene I,4 (Olearius) (Hinweis: Die Behandlung der Szene
„Bauernhochzeit“ wird hier ausgespart. Sie soll Gegenstand der Klausur sein.)
Arbeitsauftrag
Untersucht die Szene I,4:
– Welches Thema steht im Mittelpunkt des
Gesprächs?
– Beschreibt genau die Position, die Olearius
vertritt!
– Was charakterisiert die „Gerichtsbarkeit“?
– Was ist die Grundlage des Rechts?
– Welche Möglichkeiten hat der Einzelne, sein
Recht durchzusetzen?
Lösungsvorschlag
– Thema: Wie lässt sich dauerhaft Recht schaffen und
aufrecht erhalten?
– Olearius, der Rechtsgelehrte, der sich in Bologna
mit dem Römischen Recht vertraut gemacht hat, vertritt die Meinung, nur dieses
Römische Recht könne noch aus der allgemeinen Rechtsunsicherheit herausführen.
Die bisherige Rechtsunsicherheit, so sieht es Olearius, hat ihren Grund darin,
dass „man glaubt, es sei genug, durch Alter und Erfahrung sich eine genauere
Kenntnis des innern und äußern Zustandes der Stadt zu erwerben“. Taucht ein
Rechtsstreit auf, „so werden nach altem Herkommen und wenig Statuten die Bürger
und die Nachbarschaft gerichtet“. Ein solches Rechtsgebaren mag zwar gemeinhin
genügen, doch gibt Olearius zu bedenken, dass eben „der Wille und die Meinung
der Menschen schwankend“ sind, mit anderen Worten, dass, was heute als Recht
gilt, morgen schon Unrecht sein kann, dass also „Verwirrung und Ungerechtigkeit
unvermeidlich“ sind. Olearius sieht nur einen Weg aus diesem Dilemma: Gesetze
müssen fixiert und als immer gültig akzeptiert werden. Die beste Lösung wird
dann ein Gesetzbuch sein, eine „Sammlung aller Gesetze“, wie sie im Römischen
Recht, genauer: in dem Justinian zugeschriebenen Corpus iuris vorliegt. Dass
auch ein solches Gesetzbuch seine Probleme mit sich bringt, sieht Olearius
allerdings nur in einer bestimmten Perspektive: Es dürfte schwer fallen, ein
solches Rechtsdenken beim „Pöbel“ durchzusetzen.
– Gerichtsbarkeit wird durch Rechtsgelehrte und
Juristen gesichert, die auf schriftlich festgehaltene Gesetze gestützt
Gerichtsverhandlungen durchführen und zu Urteilen kommen.
– Grundlage sind einzelne, schriftlich festgehaltene
Gesetze.
– Der Einzelne hat die Möglichkeit, eine Gericht
anzurufen und vor Gericht sein Recht zu erwirken bzw. es durch einen Anwalt
erwirken zu lassen.
Die wichtigsten Punkte werden an der Tafel festgehalten. Dabei
werden sie so angeordnet, dass in der Folge das „alte Recht“ vergleichend
daneben gestellt werden kann. (Siehe Lösungshinweis zur folgenden Aufgabe)
Vertiefung: Nun wird vermutlich deutlich, wie es zu einer
negativen Sehweise Götzens kommen konnte. Deshalb sollte im
Unterrichtsgespräch die Position des ‘alten Rechts’ dem römischen Recht
gegenübergestellt werden.
Arbeitsauftrag
– Was ist nach Götzens Auffassung „Recht“ ?
Wer garantiert hier „Gerechtigkeit“ ?
– Wie wird bei einer solchen Rechtslage das
Handeln des Götz zu beurteilen sein?
Lösungsvorschlag
Das „alte Recht“ ist stärker abgestellt auf das
rechtschaffene Individuum, das moralisch Handelt, Ehre besitzt und sich in die
Pflicht genommen weiß. so wird es möglich, dass der Ritter sich selbst Recht
schafft, ohne Unrecht zu tun. Letztendlich wird es im Zweifelsfall auf ein
Gottesurteil hinauslaufen, wenn der Kampf entscheidet über Recht und Unrecht.
Rechtsstreitigkeiten werden entschieden mithilfe von Laienrichtern (Schöffen),
die aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrung in der Lage sind, Recht zu
sprechen. Jeder Fall wird neu entschieden, es gibt kein schriftlich fixiertes
Recht, wohl aber gibt es Rechtsgrundsätze, die in gewisser Art und weise aus dem
Rechtsempfinden des Einzelnen resultieren. Dieser Einzelne hat die Möglichkeit,
sein Recht gegebenenfalls „mit Gewalt“ in Form der Fehde durchzusetzen.
Rechtssicherheit gewinnt der Einzelne aus der Verpflichtung, die für jeden
„ehrenhaften Mann“ gilt. Ehrlosigkeitz und unritterliches Verhalten können zum
Missbrauch führen.
An der Tafel wird vergleichend gegenübergestellt:
Eröffnung: Da die folgende
Phase ausschließlich von den Schülern gestaltet werden soll, ist eine gewisse
organisatorisch-methodische Vorbesprechung notwendig. Gegebenenfalls müssen
auch einzelne „inhaltliche“ Fragen geklärt werden. (Hier ist allerdings größte
Zurückhaltung geboten!) Im Rundgespräch könnte besprochen werden:
Arbeitsauftrag
Wir wollen den „Fall Götz von Berlichingen“ erneut vor
Gericht verhandeln. Was muss da alles bedacht werden?
– Nach welchem „Recht“ soll verhandelt und
gerichtet werden?
– Wer kommt als „Richter“ in Frage?
Bildet Gruppen und bereitet euch mithilfe der
Arbeitsblätter (Siehe Anhang)
auf die Verhandlung vor!
Gruppen:
– Götz und Verteidigung
– Weislingen /Bischof
als Anklagevertretung
– Kaiser und Ratgeber als Gericht
(Hinweis: Anklage und Verteidigung lassen sich auch
umdrehen: Adelheid /Weislingen /Bischof
werden angeklagt!)
10. / 11.
Unterrichtsstunde
Gerichtsverhandlung
In der folgenden Unterrichtsphase sollte sich der Lehrer
völlig zurückhalten und gegebenenfalls ein Scheitern einkalkulieren. Die Schüler
erhalten Gelegenheit, in eigener Verantwortung das, was sie gelernt haben, in
einen neuen, interessanten Zusammenhang einzubringen und neu zu organisieren.
Natürlich wird es da an einigen Stellen zu Unebenheiten, Brüchen, Hängern
kommen. Aber das sollten die Schüler erfahren: Nur was sie tun, ist getan.
Die Arbeit könnt in drei Phasen ablaufen:
1. Phase: Vorentscheidungen
Im Gespräch wird festgelegt:
– Was ist Gegenstand des Prozesses (Götz, Bischof,
Adelheid?)?
– Welche Gruppe übernimmt welche Rolle?
2. Phase: Gruppenarbeit
Die Gruppen bereiten sich mithilfe der folgenden
Arbeitsblätter auf ihre Aufgaben /Rollen
vor. Dabei werden Argumente und (Zeugen-) Aussagen nur akzeptiert, wenn sie vom
Text her abgesichert sind.
Die Gruppe, die als Richter fungiert, entsendet Vertreter
in die beiden anderen Gruppen, um das Verfahren angemessen planen zu können.
– Gruppen „Anklage“ (Arbeitsblätter müssen ausgewählt
werden entsprechend der getroffenen Entscheidung.)
– Gruppen „Verteidigung“
– Gruppe „Gericht“ (Kaiser und Berater)
3. Phase: Der Prozess
Einstieg: Nachdem entschieden wurde, was konkret verhandelt
werden soll (Götz, Weislingen, Adelheid …),
kann der „Reichstag“ eröffnet werden.
Das Gericht (Kaiser und Berater) gibt die „Regeln“ bekannt.
Die Anklage wird vorgetragen. Die Verteidigung nimmt Stellung. Damit ist die
Verhandlung eröffnet.
Die einzelnen Gruppen stützen sich auf ihre Unterlagen, die
sie mithilfe der Arbeitsblätter vorbereitet haben. Sollte es zu schwerwiegenden
„Stockungen“ kommen, so könnte das Verfahren nochmals angehalten werden. Die
Gruppen erhalten erneut Gelegenheit, sich intensiver und gezielter
vorzubereiten.
Integration: Die einzelnen „Ergebnisse“ werden in die
Gerichtsverhandlung eingebracht und verhandelt.
Sollte eine Gruppe mit der Gerichtsentscheidung nicht
einverstanden sein, so kann sie einen schriftlichen Revisionsantrag stellen. Der
Antrag muss begründet sein. (Schülerbeispiel siehe 2. Klausurvorschlag.)
12. / 13.
Unterrichtsstunde
Über den Prozess berichten
Methodisch-didaktische
Hinweise
Es lässt sich nun eine reizvolle Aufgabe anschließen: Über
den Prozessverlauf wie über die Verhandlungsergebnisse soll in den Medien
berichtet werden. Wir beschränken uns auf die Printmedien. Sollte der Bereich
„Zeitung“ (Textformen …) schon behandelt
sein, so bietet sich jetzt die Möglichkeit, auf das schon Erlernte
zurückzugreifen und in der Anwendung auf einen konkreten Fall weitere
Erfahrungen zu machen. Ist das Gegenstandsfeld neu, so lässt sich gut einführen
in die
– Probleme der Textarten, die in den Printmedien eine
wichtige Rolle spielen (Kommentar, Bericht, Nachricht …),
– Fragen des konkreten Veröffentlichungsortes und der
daraus sich ergebenden Konsequenzen (Wie berichtet welches Blatt über ein
Ereignis?).
Wir eröffnen den Unterricht mit den Folien, die
verschiedene (Fantasie-) Blätter vorstellen. Es wird wohl leicht fallen,
Parallelen zu tatsächlich existierenden Blättern zu ziehen. Wichtiger aber ist
die Frage: Worauf wird man im einzelnen Fall besonderes Gewicht zu legen haben?
Fragen nach der jeweiligen Leserschaft und deren Erwartungen werden nun in die
Überlegungen einzubeziehen sein. (Das Verbandsblatt der Reichsritter wird
anders über Götz berichten als die Kirchenzeitung …)
Die Schüler bilden wiederum Gruppen entsprechend den verschiedenen Blättern. Sie
wären aber wohl überfordert, wenn sie alles in eigener Regie erarbeiten sollten.
Deshalb sollte im Klassenverband eine Seite gewissermaßen als Muster erarbeitet
werden. Dabei lassen sich Überlegungen zur Textsortenfrage integrieren.
Lernziele
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Die Schüler überschauen und ordnen die Ergebnisse
der vorausgehenden Phase.
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Sie üben die Textarten Nachricht und
Zeitungsbericht.
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Sie lernen kritisch mit den entsprechenden
Textarten umzugehen.
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Sie lernen mediengerecht zu berichten.
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Sie erkennen die Abhängigkeit der konkreten
Textgestalt vom Veröffentlichungsort.
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Einstieg: Den Schülern werden die Arbeitsfolien
präsentiert. Sie stellen Vermutungen an:
Arbeitsauftrag
– Wie könnte ein solches Blatt aussehen?
– Welchem „Blatt“ unserer Umgebung könnte das
entsprechen?
– Worauf wird in dem
entsprechenden Blatt wohl besonderer Wert gelegt?


Lösungsvorschlag
Es könnten genannt werden:
– Spiegel, Focus (richten sich an „gehobene
Intelligenz“; behaupten, sie legten Wert auf sachliche Berichterstattung; sie
geben sich kritisch distanziert;)
– BUNTE, Frau mit Herz …
(kümmern sich eher um die „menschlich-rührende“ Seite; akzentuierten den
„Aspekt adlig“.)
– Handelsblatt, …
(sieht das Ganze vom Wirtschaftlichen Standpunkt aus: Unsicherheit der
Handelswege; Probleme mit Geschäftsfreunden …)
– Der Feuerreiter; Der Pilger, Liboriusblatt, …
(Die religiöse Seite steht im Vordergrund; natürlich steht man den kirchlichen
Würdenträgern positiv gegenüber …
– Lokalpresse (Man identifiziert sich mit den lokalen
Größen; Berichterstattung hebt das Lokale hervor, erinnert an schon Dagewesenes …)
– Verbandsmitteilungen …
(Die Interessen der Verbandsmitglieder bestimmen Nachrichtenauswahl,
Berichterstattung und Kommentierung.
Die Schwerpunktsetzungen ergeben sich aus dem jeweiligen
„Leserkreis“
Erarbeitung: Im Unterrichtsgespräch werden
Überlegungen zu verschiedenen möglichen Textsorten angestellt. Am besten wird
man dabei eine Zeitungsseite in Angriff nehmen, die zum Thema gestaltet werden
soll. (Könnte als Plakat /Wandzeitung
entwickelt werden.)
Arbeitsauftrag
Stellt euch vor, ihr solltet eine Seite des „Nürnberger
Anzeigers“ zum Thema „Götz und sein Prozess“ gestalten.
– Was würdet ihr alles berücksichtigen?
– Was würde eure Leser alles interessieren?
– Welche Zusatzinformationen müsstet
/ könntet ihr geben?
– Welche Hintergrundberichte kämen in Frage?
– Welche Texte müssten geschrieben werden?
Lösungsvorschlag
Die Seite könnte folgende Konturen haben:
(Die konkreten Textformen und
-inhalte bleiben noch ausgespart!)

Vertiefung: Im Unterrichtsgespräch können nun
einzelne Faktoren der einzelnen Textsorten besprochen werden. Insbesondere
sollten Nachricht und Bericht ins Auge gefasst werden.
Arbeitsauftrag
Stellt euch vor, ihr sollt in einer kurzen Nachricht von
der Gerichtsverhandlung gegen Götz von Berlichingen berichten.
– Was muss alles in dieser Nachricht enthalten
sein?
– Was erscheint euch besonders wichtig? Markiert
die entsprechenden Punkte!
– Versucht eine erste Formulierung der Nachricht!
Zunächst sollte jeder für sich formulieren. Fasst euch möglichst kurz. (Ihr
solltet mit höchstens zwei bis drei Sätzen auskommen!)
– Vergleicht eure Formulierungen und beschreibt
die Unterschiede. Wie kommt es zu den Unterschieden? Versucht euch nun auf eine
Formulierung zu einigen!
Lösungsvorschlag
Eine Nachricht enthält nicht alle Informationen, die mit
einem Ereignis zusammenhängen. Sie will kurz und knapp informieren und
beantwortet deshalb nur die für den konkreten Fall entscheidenden „W-Fragen“.
Sie bringt die wichtigste Information als erstes (Satzbau!) und nennt dann
weitere Zusammenhänge (Ort des Geschehens, zeitliche Abläufe, Art und Weise des
Ablaufs, manchmal: Gründe und Folgen).
Bei der Formulierung der Nachricht stellt man das besonders
Wichtige (Gewichtung!) an die Spitze. Entsprechend können verschiedene
Formulierungen angeboten werden:
– Einen Freispruch gab es im Prozess … .
– Der Prozess gegen den Ritter Götz v.B. endete mit … .
– Als erwiesen sah es das Gericht an, dass der Ritter … .
– Der Bischof wird in Zukunft vorsichtiger sein
müssen, so jedenfalls legt es das Ende des Prozesses gegen … nahe … .
Ausweitung: In einem weiteren Unterrichtsgespräch
wird nun erläutert, was in einem Bericht über die Nachricht hinaus noch zur
Sprache kommen wird. Gegebenenfalls wird man auf einen Zeitungsbericht aus der
aktuellen Tageszeitung zugreifen und dort den Aufbau wie den Inhalt betrachten.
Arbeitsauftrag
– Was bringt ein Zeitungsbericht über die reine
Nachricht hinaus an Informationen?
– Wie ist der Zeitungsbericht gegliedert?
Lösungsvorschlag
Will man ausführlicher über ein Ereignis berichten, so
schreibt man einen Bericht. Ein Bericht ist ausführlicher als eine Nachricht,
stellt weitere Zusammenhänge und Hintergründe, aber auch Einzelheiten dar. Für
den Zeitungsbericht hat sich die folgende Gliederung als recht brauchbar
erwiesen:
1) Schlagzeile /Überschrift:
Die Schlagzeile bringt einen Leseanreiz oder sie enthält stark verkürzt den Kern
der Nachricht bzw. des zu berichtenden Geschehens.
2) „Kopf“ des Berichts (das „Fettgedruckte“):Der „Kopf“
entspricht der Nachricht. Hier werden die wichtigsten W-Fragen beantwortet,
wobei das Wichtigste am Anfang steht.
3) „Körper“ des Berichts („Resttext“): Im „Resttext“ wird über
die interessanten Einzelheiten des Geschehens berichtet. Dabei beginnt jeder
Abschnitt ziemlich selbstständig gewissermaßen „von vorn“ und nimmt einzelne
Teile, die im „Kopf“ schon genannt wurden, wieder auf und führt sie weiter aus.
In eigenen Abschnitten können Hintergründe und Zusammenhänge, aber auch
Zeugenaussagen usw. dargestellt werden.
Die einzelnen Teile des „Körpers“ werden entsprechend ihrer
Wichtigkeit angeordnet, sodass bei Bedarf vom Ende her abschnittsweise gekürzt
werden kann.
Transfer: In Gruppenarbeit können nun verschiedene
Zeitungsberichte verfasst werden. Der im Lösungsvorschlag gegebene Rahmen kann
unter Umständen den Schülern als Arbeitshilfe gegeben werden.
Arbeitsauftrag
Verfasst einen Zeitungsbericht zum Prozess(ausgang)!
Lösungsvorschlag
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Schlagzeile:
„Unterüberschrift“: |
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Kopf:
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Körper: |
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1.
Abschnitt:
Situation am
Prozessende
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3.
Abschnitt:
Hintergründe
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2.
Abschnitt:
Wie es so
weit kommen konnte |
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4.
Abschnitt:
Die
menschliche Seite;
Zeugen und Meinungen |
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Im Anhang
findet sich ein Schülerbeispiel für einen Bericht während des Prozesses.
Erarbeitung: In Gruppenarbeit können nun die
einzelnen Artikel für die ausgewählten Blätter in Angriff genommen werden.
Arbeitsauftrag
Verfasst nun Artikel, die in die Blätter, für die ihr euch
entschieden habt, „passen“.
Lösungsvorschlag
Die folgenden Beispiele zeigen verschiedene Ansätze für
Texte in verschiedenen Blättern. Sie sind als Beispiele (nicht als „Muster“!)
gedacht.
(Siehe Materialteil - oder: Haben Sie Gutes erarbeitet?)
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